Job-Stress-Analysis
Wie das Job‑Stress‑Analysis (JSA) Umfrageinstrument den aktuellen Stand von Belastungen, Ressourcen, Arbeitszufriedenheit und emotionaler Bindung der Mitarbeitenden misst und gezielte betriebliche Verbesserungen unterstützt.
Das Praxisbeispiel in Kürze
Problem
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) suchte nach einer Möglichkeit, eine systematische Standortbestimmung zur Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden vorzunehmen und allfällige Massnahmen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements daraus zu entwickeln.
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Das birgt Chancen, aber auch Belastungen. Vor diesem Hintergrund misst das ENSI der Gesundheit seiner Mitarbeitenden einen sehr hohen Stellenwert bei. Sie ist entscheidend, um Motivation und Leistungsfähigkeit im komplexen Umfeld des ENSI zu erhalten, die Mitarbeitenden langfristig an die Organisation zu binden und wertvolles Know-how zu sichern.
Lösung
Aufgrund dieser Ausgangslage entschied sich das ENSI, eine Mitarbeitendenumfrage mit dem Befragungstool der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz («Job-Stress-Analysis») durchzuführen, um eine fundierte Bestandesaufnahme zum Befinden und Motivation der Mitarbeitenden zu erhalten, entsprechende Massnahmen daraus abzuleiten und um die Wirksamkeit der BGM-Massnahmen zu evaluieren.
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Basis für die Entwicklung und Weiterentwicklung konkreter Massnahmen, die darauf abzielten, die Arbeitszufriedenheit und ein gesundes Arbeitsumfeld weiter zu fördern. Die «Friendly Workspace Job-Stress-Analysis» ist ein anonymes, wissenschaftlich geprüftes, praxiserprobtes Online-Befragungsinstrument von der Gesundheitsförderung Schweiz. Sie ermöglicht es Unternehmen, sich mit wenig Aufwand einen Überblick über Belastungen und Ressourcen sowie über die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu schaffen und daraus Massnahmen abzuleiten. Für das ENSI waren die Job-Stress-Analysis (JSA) Befragungen ein sinnvoller zusätzlicher Schritt, um das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Nutzen
Die JSA bringt dann Nutzen, wenn möglichst viele Mitarbeitenden im Unternehmen daran teilnehmen, transparent und frühzeitig kommuniziert wird und klare Zuständigkeiten bestehen für die Aufgaben rund um die JSA. Zentral ist zudem, dass nach der Durchführung der Umfrage konkrete Massnahmen abgeleitet und umgesetzt werden. Der Einsatz der JSA brachte für das ENSI auf verschiedenen Ebenen einen Nutzen:
Nutzen für die Mitarbeitenden:
- Persönliche Rückmeldung und Tipps direkt nach der Befragung zur besseren Einordnung und Verbesserung des eigenen Befindens, Ressourcen und möglichen Belastungen
- Möglichkeit, sich aktiv einzubringen (Befragung, Einordnung der Ergebnisse, Massnahmenideen, Umsetzung)
- Verbesserte Arbeitsbedingungen durch konkrete Massnahmen
Nutzen für die Organisation: - Übersicht über das Befinden der Mitarbeitenden und zur Bewertung der Arbeitsbedingungen, Infos über mögliche Ressourcen und Belastungen der Mitarbeitenden
- Vergleich mit anderen Unternehmen in der Schweiz (Benchmark)
- Sichtbare Veränderungen bei mehrfacher Durchführung der JSA: Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung zum Unternehmen durch umgesetzte Massnahmen, sowie Überprüfung der Wirksamkeit derselben
Über ENSI
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) mit Sitz in Brugg (AG) ist eine politisch unabhängige Aufsichtsbehörde des Bundes. Es sorgt entlang der gesamten Prozesskette der Kernenergie für Sicherheit, von Sicherheitsgutachten über Strahlenschutz bis zur Begleitung von Stilllegungsprojekten, und engagiert sich mit hoher Fachkompetenz für den sicheren Betrieb der Schweizer Kernanlagen.
Die rund 180 Mitarbeitenden des ENSI vereinen Expertise aus über 40 Disziplinen und befassen sich täglich mit komplexen fachlichen Fragestellungen. Aufgrund seiner institutionellen Unabhängigkeit verfügt das ENSI über einen hohen Grad an Eigenständigkeit und Gestaltungsspielraum, in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit einem KMU.
Kontakt:
Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI
Industriestrasse 19
5201 Brugg
E-Mail: HR-ensi@ensi.ch
Web: https://ensi.admin.ch/de/

Mir ist wichtig zu zeigen, dass uns die Gesundheit unserer Mitarbeitenden wirklich am Herzen liegt und wir uns deshalb konsequent darum kümmern.
Konkrete Umsetzung
Einführung
- Kosten externe Beratung: Je nach Bedarf unterschiedlich, KMU mit externem akkreditiertem Berater haben Möglichkeit einer Anteilsfinanzierung
- Kosten der Befragung: Gratisversion für bis zu 29 Mitarbeitende, professionelle Version für Organisationen ab 30 Mitarbeitenden (5.80 CHF/Person)
- Zeitlicher Aufwand für Ausfüllen des Fragebogens: 18-30 Minuten
Folgende Prozessschritte wurden bei der Durchführung der JSA durchlaufen:
Schritt 1: Zielklärung und Entscheidung für JSA
Im Anschluss an einen Impulsvortrag eines Gesundheitsexperten beschloss die Geschäftsleitung, die JSA im ENSI einzusetzen, um eine fundierte Standortbestimmung zu Belastungen, Ressourcen und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden vorzunehmen.
Schritt 2: Planung
Zur Vorbereitung der Befragung waren mehrere Teilschritte notwendig. Die Bereichsleitung Ressourcen wurde beauftragt, den Prozess zu koordinieren und umzusetzen.
Externe Beratung
Die Unterstützung für das ENSI wurde mit GesundheitsexpertInnen des Instituts für Arbeitsmedizin (ifa), Baden organisiert. In gemeinsamer Abstimmung wurde definiert, welche Aufgaben intern verantwortet und in welchen Bereichen externe Expertise hinzugezogen wird. Extern begleitet wurden insbesondere die Kick-off-Veranstaltung zur JSA-Befragung sowie die anschliessende Einordnung der Umfrageergebnisse mit den Führungskräften und Mitarbeitenden im Rahmen von Workshops. Gerade die Ergebnisanalyse erfordert Erfahrung, da die Resultate sorgfältig eingeordnet und priorisiert werden müssen.
Bestellung der Befragung bei Gesundheitsförderung Schweiz
Die Job-Stress-Analysis (JSA) wurde bei Gesundheitsförderung Schweiz bestellt, die das Instrument für Unternehmen zur Verfügung stellt. In Abstimmung mit der externen Begleitung definierte das ENSI die Inhalte der Befragung. Die JSA besteht aus einem Basis-Modul sowie optionalen Vertiefungsmodulen. Die JSA bietet verschiedene Optionen an Fragemodulen an:
– Life-Domain-Balance
– Zusammenarbeit mit Kund:innen
– Fairness und Wertschätzung
– Burnout
– Stressbewältigung
Kommunikation an die Mitarbeitenden
Die JSA wurde im Rahmen eines regelmässig stattfindenden Mitarbeitendenanlasses vorgestellt, an der die Zielsetzung, Ablauf und die Gewährleistung der Anonymität der Befragung erläutert wurden. Damit wurde von Beginn an Transparenz geschaffen und Vertrauen in den Prozess und die Befragung gestärkt.
Schritt 3: Durchführung der Online-Befragung
Die Einladung zum Ausfüllen des rund 18 – 30-minütigen Online-Fragebogens erfolgte per E-Mail an alle Mitarbeitenden. Der Fragebogen war über einen Link zugänglich und stand in mehreren Sprachen zur Verfügung. Bei Fragen oder Unsicherheiten konnten sich die Mitarbeitenden an die interne Kontaktstelle im HR wenden.
Schritt 4: Auswertung, Ergebnisaufbereitung und Information
Ein Vorteil der Job-Stress-Analysis besteht darin, dass die Ergebnisse automatisiert auf verschiedenen Ebenen ausgewertet werden können: auf individueller Ebene (ausschliesslich für die befragte Person einsehbar), auf Bereichs- bzw. Teamebene (ab zehn Personen) sowie auf Ebene der Gesamtorganisation. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit den externen GesundheitsexpertInnen eingeordnet und in Workshops mit den Führungskräften und Mitarbeitenden diskutiert. Die Ergebnisse wurden mit Vergleichswerten anderer Organisationen in der Schweiz (Benchmark) in Beziehung gesetzt, um eine realistische Einordnung zu ermöglichen. Anschliessend wurden die Resultate analysiert und unter Einbezug der Mitarbeitenden Massnahmen entwickelt, welche wiederum im Rahmen einer Mitarbeitendeninformation transparent präsentiert wurden.
Integration im Tagesgeschäft
- Workshopdauer: je 4-6 Stunden für die Massnahmenerarbeitung pro Gruppe / Team
- Kosten: interne sowie externe Kosten, Betrag abhängig von Institution und externer Beratung
Mit der Befragung allein ist es nicht getan. Entscheidend ist, dass aus den Ergebnissen konkrete Massnahmen entstehen, die zur Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit und eines gesunden Arbeitsumfeldes beitragen sollen.
Vorgehen zur Ableitung, Planung und Umsetzung von Massnahmen
Nach der JSA-Befragung wurden die Ergebnisse mit Unterstützung externer Gesundheitsexpert:Innen ausgewertet. Die Erarbeitung von Massnahmen fand auf drei Ebenen statt:
Individuelle Ebene – Persönliche Feedbacks und Unterstützungsmöglichkeiten Nach Abschluss der JSA-Umfrage erhielten die Mitarbeitenden eine persönliche Rückmeldung zu ihren Ergebnissen mit individuellen Empfehlungen. Personen mit kritischen Werten konnten sich bei HR für weitere Unterstützung melden.
Bereichsebene – Workshops mit Mitarbeitenden und Führungspersonen pro Bereich
Unter Beizug (Moderation) externer GesundheitsexpertInnen wurden die Umfrageergebnisse pro Bereich (ein Bereich hat mehrere Abteilungen) gemeinsam mit Mitarbeitenden und Führungskräften wie folgt bearbeitet und daraus Massnahmen abgeleitet:
1. Workshop mit Mitarbeitenden: Die bereichsspezifischen Ergebnisse der Befragung wurden im Rahmen von Workshops mit den Mitarbeitenden (ohne Führungskräfte) aus jedem Bereich besprochen und gemeinsam eingeordnet. Dabei entstanden erste konstruktive Massnahmenideen von Mitarbeitenden, die von der Moderation dokumentiert wurden.
2. Workshop mit Führungskräften: Darauffolgend wurde pro Bereich ein Workshop mit Führungskräften durchgeführt, wodurch auch die Führungsperspektive miteinbezogen wurde. Zu Beginn des Workshops mit Führungskräften wurden die Massnahmenideen des Mitarbeitenden-Workshops präsentiert. Die Führungskräfte diskutierten diese Ideen, prüften selbst nochmals die Ergebnisse und leiteten ihrerseits Massnahmen ab.
3. Zusammenführen von Ideen: So ergaben sich Massnahmen sowohl aus Mitarbeitenden- als auch aus Führungsperspektive. Diese wurden für jeden Bereich festgehalten. Die Verantwortung für die Umsetzung der bereichsspezifischen Ergebnisse verblieb in den Bereichen.
Organisationsebene – Steuerungsgruppe entwickelt Massnahmen zum Gesundheitsmanagement für das ENSI
Die abgeleiteten Massnahmenideen aus allen Bereichsworkshops, welche von bereichsübergreifendem Interesse waren, wurden mit Unterstützung der externen GesundheitsexpertInnen festgehalten und zu einem zusätzlichen Massnahmenkatalog auf Organisationsebene zusammengeführt. Dieser wurde dem ENSI im Rahmen eines Berichts zur Verfügung gestellt.
Das ENSI setzte daraufhin eine Steuerungsgruppe für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Aufsichtskultur ein, in der jeder Bereich mit einer Person vertreten ist. Im Auftrag der Geschäftsleitung erarbeitete diese mit Unterstützung einer externen Gesundheitsexpertin auf Grundlage des Massnahmenkatalogs konkrete Vorschläge für das betriebliche Gesundheitsmanagement des ENSI.
Die Massnahmenumsetzung erfolgte auf verschiedenen Ebenen durch die Steuerungsgruppe, die Bereichsleitenden (GL) oder HR.
Beispiele für Massnahmen auf Organisationsebene
- «Jahr der Wertschätzung»
wurde eingeführt, weil die JSA gezeigt hat, dass sich Mitarbeitende mehr gegenseitige Wertschätzung von Kolleginnen und Kollegen wünschen.
Massnahmen davon waren u.a. die Einführung eines Willkommensapéros für neue Mitarbeitende, Anregungen zur Gestaltung der Zusammenarbeit in Projekten, Tischfussballturnier anlässlich der EM 2024 usw.
Ziel: die Mitarbeitenden erhalten Anregungen, wie sie gegenseitige Wertschätzung in ihre tägliche Arbeit integrieren können.
- Standard-Traktandenliste und Sitzungs-Charta für freiwillige Verwendung
entstanden, weil viele Mitarbeitende unstrukturierte und zu lange Sitzungen als Belastung nannten.
Ziel: bessere Strukturierung von Sitzungen, bessere Vorbereitung und effizientere Besprechungen. - Empfehlungen zum Umgang mit Homeoffice
wurden entwickelt, weil das hybride Arbeiten als Stressor identifiziert wurde.
Ziel: klare Team-Regeln und ein gesünderer Umgang mit mobilem Arbeiten.

Mehrmalige Durchführung
Die JSA wurde beim ENSI seit 2018 bereits dreimal durchgeführt. Durch die mehrmalige Durchführung bleibt das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz dauerhaft präsent, Veränderungen werden sichtbar und die Wirksamkeit der Massnahmen kann erhoben werden. Die Ergebnisse belegen Verbesserungen in der Arbeitszufriedenheit und eine stärkere Mitarbeitendenbindung zum Unternehmen.
Eine Herausforderung bestand darin, aus den JSA-Ergebnissen gemeinsam mit Mitarbeitenden und Führungskräften wirksame und konkrete, auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden abgestimmte Massnahmen abzuleiten. Mit den bereichsspezifischen Workshops und dem darin stattfindenden Dialog mit den Führungskräften und den Teams konnten wir sinnvolle und nützliche Massnahmen ableiten.
Ein sehr wichtiges Element war auch die Etablierung einer ständigen Steuerungsgruppe BGM & Aufsichtskultur – eine Massnahme aus der 1. Durchführung der JSA -, die durch ihre Zusammensetzung und klaren Auftrag das Thema breit abgestützt in der Organisation begleitet.
Argumente:
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1Eine aktive Beteiligung der Mitarbeitenden trägt wesentlich zum Erfolg der Massnahmen bzw. Interventionen bei.Nielsen, K., & Randall, R. (2012). The importance of employee participation and perceptions of changes in procedures in a teamworking intervention. Work & stress, 26(2), 91-111. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02678373.2012.682721
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2Ob Beteiligung im BGM tatsächlich Nutzen stiftet, hängt davon ab, ob Mitarbeitende mitgestalten und mitentscheiden dürfen oder nur punktuell Rückmeldungen geben.Burgess-Limerick, R. (2018). Participatory ergonomics: Evidence and implementation lessons. Applied ergonomics, 68, 289-293. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0003687017302740
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3Daten geben Orientierung. Eine Standortbestimmung ist der übliche Startpunkt, um psychosoziale Risiken zu bearbeiten.Di Tecco, C., Persechino, B., & Iavicoli, S. (2023). Psychosocial risks in the changing world of work: moving from the risk assessment culture to the management of opportunities. La Medicina del lavoro, 114(2), e2023013. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10133769