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Das Praxisbeispiel in Kürze

Das gemeinsame Mittagessen bietet Raum für Austausch, bringt uns näher zusammen und stärkt unser Wir-Gefühl.

Katrin Minder, Leiterin HR & Mitglied der Geschäftsleitung

Konkrete Umsetzung

Einführung

  • Kosten für Infrastruktur: Küchenbau, Geräte, Essensraum
  • Kosten für die Anstellung der Kochperson
  • Kosten für Lebensmittel

Vom Gründer-Lunch zur festen Mittagstradition

Am Anfang war es einfach nur eine Gewohnheit: Die drei Firmengründer trafen sich regelmässig zum gemeinsamen Mittagessen. Ganz spontan organisierten sie das Essen selbst. Jeder brachte etwas mit oder kochte vor Ort. Die «Küche» bestand zu Beginn aus einem Kochfeld, einem Kühlschrank, einem Lavabo und einer Mikrowelle, schlicht, aber funktional, so wie in vielen KMU.
Mit der Zeit wuchs die Firma und mit ihr auch die Zahl der Mitarbeitenden. Bald wurde klar: Die spontane Selbstorganisation war nicht mehr praktikabel. Die Lösung: Zwei Köche wurden eingestellt und die Infrastruktur erweitert.

Anstellung und Aufgaben der beiden Köche

Zunächst wurden zwei Mitarbeiter eingestellt: Ein gelernter Koch mit IV-Rente, der von Montag bis Donnerstag zuständig war, sowie einen Pensionär aus der Gemeinde mit hoher Affinität fürs Kochen, der den Freitag übernahm. Gemeinsam organisierten sie an fünf Tagen pro Woche das Mittagessen, in einem Pensum von insgesamt 70 %. Ihre Aufgaben umfassten:

  • Einkaufsplanung (u.a. auch Koordination mit Lieferanten und Bauern)
  • Menüplanung (abwechslungsreiche Mahlzeiten zusammenstellen, Mengen, Abstimmung mit Team)
  • Zubereitung (Kochen des Mittagessens)
  • Anrichten
  • Lagerhaltung (Vorräte kontrollieren, Ablaufdaten prüfen)
  • Budgetkontrolle und Dokumentation der Ausgaben
  • Reinigung von Arbeitsflächen und Geräten sowie Entsorgung

Erweiterung der Infrastruktur

Parallel dazu wurden die Küche und der Essensbereich (Kantine) verbessert:

  • Eine neue Küche mit mehr Stauraum und Arbeitsfläche wurde eingebaut (günstiges Ausstellungsmodell erworben), und einzelne Geräte wurden ersetzt.
  • Eine Kantine mit Kücheninsel entstand: Für das Anrichten des Mittagessens und die Kaffeepause.
  • Das Geschirr stammte teils aus der Brocki, teils brachten Mitarbeitende Geschirr von zuhause mit.

Kostenregelung für das Mittagessen

  • Montagemitarbeitende, die dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellt sind, erhalten das Mittagessen kostenlos. Die Firma übernimmt die Kosten.
  • Für Büromitarbeitende und Führungskräfte, die nicht dem GAV unterstellt sind, muss gemäss AHV-Gesetz ein AHV-pflichtiger Betrag für das Mittagessen auf den Lohn aufgerechnet – dieser wird danach wieder abgezogen. Dadurch bleibt der Auszahlungsbetrag für die Mitarbeitenden gleich, ihr steuerbares Einkommen erhöht sich jedoch leicht. Das Mittagessen ist dadurch nicht mehr ganz gratis, bleibt aber ein attraktiver Zusatznutzen.
  • Die Kosten für die Erweiterung der Infrastruktur wurden vollständig von der Firma übernommen.

So entwickelte sich aus einer Gewohnheit eine feste Mittagstradition, die nicht nur für gutes Essen sorgte, sondern auch das Wir-Gefühl förderte. Wie an einem Familientisch können sich Mitarbeitende dazusetzen, ein Gespräch führen und wieder aufbrechen. Zugleich wurde ein wertvoller Beitrag zur beruflichen Integration geleistet.

Integration im Tagesgeschäft

  • Einmalige Kosten für Küchengeräte: Kaffeemaschine, Wasserkocher, Steamer, Kühlschrank, Kühltruhe, Industriegeschirrspüler
  • Wiederkehrende Kosten pro Monat: ca. CHF 10’000 für gesamte Organisation des Mittagessens (Anstellung Köchin, Einkauf Lebensmittel etc.)

Von der Tradition zur Professionalisierung des Mittagessens

Die Mittagstradition hatte sich über Jahre im Unternehmen fest etabliert und wurde zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Täglich kommen am Hauptstandort bis zu 40 Mitarbeitende zum gemeinsamen Mittagessen zusammen. Um dies nachhaltig zu sichern und effizient in einzubinden, entschied sich die clevergie ag, das Mittagessen in mehreren Bereichen weiter zu professionalisieren.

Bereich 1: Wechsel zu einer ausgebildeten Köchin und Erweiterung der Aufgaben
Nach dem Ausscheiden der vorherigen Person wurde eine ausgebildete Köchin eingestellt (70 % Pen-sum), um das Mittagessen nachhaltig organisieren zu können. Ihre Rolle als Köchin geht über das reine Zubereiten von Speisen hinaus und umfasst auch Aspekte des Einkaufs- und Budgetmanage-ments, der Förderung der Nachhaltigkeit (Regionalität und Saisonalität) sowie der administrativen Organisation:

Menü & Zubereitung

  • Menüplanung (inkl. saisonale & regionale Zutaten)
  • Einkauf von Lebensmitteln
  • Abwechslungsreiche Mahlzeiten zusammenstellen
  • Speisepläne im Voraus erstellen
  • Allergien und Unverträglichkeiten berücksichtigen
  • Vegetarische und vegane Optionen einplanen
  • Kochen und Anrichten

Lagerhaltung & Hygiene

  • Vorräte kontrollieren
  • Ablaufdaten prüfen
  • Lebensmittel fachgerecht und hygienisch lagern
  • Arbeitsflächen und Geräte reinigen
  • Abfälle korrekt entsorgen
  • Reste lagern für weiteren Gebrauch
  • Hygieneregeln einhalten
  • Organisation der Aufgabenverteilung beim Abräumen, Spülen, Putzen (Ämtli-Dienst)

Bereich 2: Koordination des Mittagessens und Kantinenpflege (Ämtli-Dienst)
Um die Mittagsverpflegung besser zu organisieren, hat die Köchin das Anmeldetool «Forms» eingeführt. Darüber geben die Mitarbeitenden wöchentlich an, an welchen Tagen sie am Mittagessen teilnehmen möchten und welches Menü sie bevorzugen, Fleisch oder vegetarisch (siehe Menüplan unten).

Die Köchin sammelt diese Informationen, koordiniert die Zubereitung der Mahlzeiten und sorgt so für einen reibungslosen Ablauf.
Zusätzlich wurde ein Ämtli-Dienst eingerichtet: Alle Mitarbeitenden (von Lernenden bis Geschäftsleitung) übernehmen turnusmässig das Decken des Tisches, Abräumen und die Reinigung der Kantine.

Damit das Mittagessen auch während der Ferien der Köchin gesichert ist, organisiert sie in Zusammenarbeit mit einem ortsansässigen Metzger, der einen Mittagsservice anbietet, die Verpflegung für diese Zeit.

Bereich 3: Anschaffung und Optimierung von Küchengeräten
Um die Essenszubereitung und den Ablauf in der Kantine effizienter zu gestalten, wurde die bestehende Infrastruktur gezielt erweitert:

  • Steamer, Kühltruhe und grösserer Kühlschrank wurden angeschafft zur Lagerung von frischen Lebensmitteln und Vorräten, mit geschätzten Kosten von rund CHF 3’000 bis 4’000  (teilweise als Occasionen erworben).
  • Neuer Industriegeschirrspüler wurde nachträglich eingebaut, da er die Abläufe erheblich beschleunigt. Die Kosten hierfür lagen bei unter CHF 3’000.

Bereich 4: Umgang mit mehreren Standorten
In der Zwischenzeit ist clevergie ag in fünf Standorte präsent. Eine besondere Herausforderung ist, den Mitarbeitenden an allen fünf Standorten dasselbe Angebot zur Verfügung zu stellen.
Da an anderen Standorten einerseits die Verpflegungsmöglichkeiten deutlich besser sind und andererseits weniger Mitarbeitende angestellt sind, erhalten Mitarbeitende an den kleineren Standorten finanzielle Unterstützung für ihre Verpflegung.
Um das Angebot nachhaltig zu gestalten, wird überlegt, Kühlschränke mit Verpflegungsangeboten zu nutzen, damit ein gemeinsames, ähnliches Mittagessen wie im Hauptstandort stattfinden kann.

Katrin Minder, Leiterin HR & Mitglied der Geschäftsleitung

Wir haben gelernt, dass es nicht optimal ist, zwei Personen fürs Kochen einzusetzen. Besser ist es, eine feste Person zu haben, die diese Aufgabe übernimmt.
Es braucht nicht immer die neuesten oder leistungsstärksten Geräte. Auch Occasion-Geräte und eine einfache, funktionale Küche können ein gutes Mittagessensangebot ermöglichen.

Argumente:

  1. 1
    Ernährungsprogramme am Arbeitsplatz können die Gesundheit der Mitarbeitenden positiv beeinflussen.
    Rosmiati, R., Haryana, N. R., Firmansyah, H., & Fransiari, M. E. (2025). Workplace Nutrition Interventions: A Systematic Review of Their Effectiveness. Media Publikasi Promosi Kesehatan Indonesia (MPPKI), 8(3), 151-166. https://doi.org/10.56338/mppki.v8i3.6392
  2. 2
    In einer Studie zur Gestaltung der Lebensmittelauswahl am Arbeitsplatz erwiesen sich Veränderungen der Ernährungsumgebung (z. B. Menüanpassungen) als besonders kosteneffektiv und waren mit einem positiven Nettonutzen für Arbeitgeber verbunden, unter anderem durch geringere Absenzen.
    Fitzgerald, S., Murphy, A., Kirby, A., Geaney, F. & Perry, I. J. (2018). Cost-effectiveness of a complex workplace dietary intervention: an economic evaluation of the Food Choice at Work study. BMJ Open, 8(3), e019182. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2017-019182