Gemeinsames Mittagessen
Wie ein vergünstigtes, von der Firma getragenes Mittagessen nicht nur den Hunger stillt, sondern auch Austausch und Teamgeist stärkt sowie Arbeitgeberattraktivität erhöht.
Das Praxisbeispiel in Kürze
Problem
Der Hauptstandort der Firma clevergie ag liegt in einer Gemeinde mit wenigen Verpflegungsmöglichkeiten. Mitarbeitende mussten entweder weite Wege gehen oder ihr Essen von zu Hause mitbringen. Zusätzlich ist die Firma gemäss Gesamtarbeitsvertrag verpflichtet, einem Teil der Mitarbeitenden das Mittagessen zu vergüten.
Diese Situation bestand schon bei der Firmengründung: Die drei Gründer assen täglich gemeinsam und wollten dies auch für das wachsende Team beibehalten. Doch mit zunehmender Mitarbeitendenzahl wurde die spontane Organisation immer schwieriger. Aus der Kombination der eingeschränkten Essensangebote und dem starken Gemeinschaftsgedanken wuchs der Wunsch, allen Mitarbeitenden eine ausgewogene und gemeinsame Mittagspause zu ermöglichen.
Lösung
Die Firma führte ein internes vergünstigtes Mittagsessen mit eigenem Koch bzw. eigener Köchin ein.
Eine eigene Köchin bereitet heute täglich ein Menü (Fleisch und vegetarisch) zu, für die sich Mitarbeitende flexibel anmelden können. Ergänzend sorgt ein gemeinsamer Ämtli-Dienst (Abräumen, Reinigung der Kantine), an dem alle, auch die Führungsebene, beteiligt sind.
Nutzen
Das gemeinsame Mittagessen stärkt Zufriedenheit, Austausch und Wir-Gefühl. Es erleichtert die Integration neuer Mitarbeitender, fördert gesunde Ernährung und bietet einen Rekrutierungsvorteil.
Die Massnahme hat sich zu einem zentralen Angebot entwickelt. Umfragen und direkte Rückmeldungen zeigen hohe Wertschätzung des Angebots seitens der Mitarbeitenden.
- Mitarbeitende kommen funktionsübergreifend ins Gespräch.
- Neue Mitarbeitende knüpfen rasch Kontakte und finden leichter Anschluss.
- Gespräche am Mittagstisch ersetzen teils formelle Meetings und erleichtern Absprachen.
- Gemeinsame Mahlzeiten fördern Kontakte über die Arbeit hinaus und wirken Einsamkeit entgegen.
- Das vergünstigte Mittagessen wird als attraktiver Benefit wahrgenommen.
- Täglich ausgewogene Mahlzeiten unterstützen Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
- Interne Verpflegung ist nicht teurer als Spesen oder externe Lieferdienste.
Über clevergie ag
Die clevergie ag ist eine Schweizer Firma mit insgesamt fünf Standorte in der Deutschschweiz (Hauptstandort Wyssachen, BE) und wurde 2012 gegründet. Das Kerngeschäft umfasst die Konzeption, Planung, Realisierung und Weiterentwicklung von Anlagen im Bereich erneuerbarer Energien. Dazu zählen unter anderem Photovoltaikanlagen, Wärmetechnik und Heizungssysteme (z. B. Wärmepumpen), E-Mobilitätslösungen inklusive Ladeinfrastruktur, Windkraftanlagen, Energiespeichersysteme, Gebäudetechnik sowie die intelligente Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität.
Die clevergie ag beschäftigt rund 110 Mitarbeitende und baut auf ein werteorientiertes Fundament: Besonnenheit, Nachhaltigkeit, Empathie, Verlässlichkeit, Leidenschaft und Dankbarkeit. Diese Werte geben den Mitarbeitenden Orientierung und prägen eine Kultur des respektvollen und verantwortungsvollen Miteinanders.
Kontakt:
clevergie ag
Emmental-Oberaargau
Möösli 307
4954 Wyssachen
E-Mail info@clevergie.ch
Web clevergie.ch

Das gemeinsame Mittagessen bietet Raum für Austausch, bringt uns näher zusammen und stärkt unser Wir-Gefühl.
Konkrete Umsetzung
Einführung
- Kosten für Infrastruktur: Küchenbau, Geräte, Essensraum
- Kosten für die Anstellung der Kochperson
- Kosten für Lebensmittel
Vom Gründer-Lunch zur festen Mittagstradition
Am Anfang war es einfach nur eine Gewohnheit: Die drei Firmengründer trafen sich regelmässig zum gemeinsamen Mittagessen. Ganz spontan organisierten sie das Essen selbst. Jeder brachte etwas mit oder kochte vor Ort. Die «Küche» bestand zu Beginn aus einem Kochfeld, einem Kühlschrank, einem Lavabo und einer Mikrowelle, schlicht, aber funktional, so wie in vielen KMU.
Mit der Zeit wuchs die Firma und mit ihr auch die Zahl der Mitarbeitenden. Bald wurde klar: Die spontane Selbstorganisation war nicht mehr praktikabel. Die Lösung: Zwei Köche wurden eingestellt und die Infrastruktur erweitert.
Anstellung und Aufgaben der beiden Köche
Zunächst wurden zwei Mitarbeiter eingestellt: Ein gelernter Koch mit IV-Rente, der von Montag bis Donnerstag zuständig war, sowie einen Pensionär aus der Gemeinde mit hoher Affinität fürs Kochen, der den Freitag übernahm. Gemeinsam organisierten sie an fünf Tagen pro Woche das Mittagessen, in einem Pensum von insgesamt 70 %. Ihre Aufgaben umfassten:
- Einkaufsplanung (u.a. auch Koordination mit Lieferanten und Bauern)
- Menüplanung (abwechslungsreiche Mahlzeiten zusammenstellen, Mengen, Abstimmung mit Team)
- Zubereitung (Kochen des Mittagessens)
- Anrichten
- Lagerhaltung (Vorräte kontrollieren, Ablaufdaten prüfen)
- Budgetkontrolle und Dokumentation der Ausgaben
- Reinigung von Arbeitsflächen und Geräten sowie Entsorgung
Erweiterung der Infrastruktur
Parallel dazu wurden die Küche und der Essensbereich (Kantine) verbessert:
- Eine neue Küche mit mehr Stauraum und Arbeitsfläche wurde eingebaut (günstiges Ausstellungsmodell erworben), und einzelne Geräte wurden ersetzt.
- Eine Kantine mit Kücheninsel entstand: Für das Anrichten des Mittagessens und die Kaffeepause.
- Das Geschirr stammte teils aus der Brocki, teils brachten Mitarbeitende Geschirr von zuhause mit.
Kostenregelung für das Mittagessen
- Montagemitarbeitende, die dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellt sind, erhalten das Mittagessen kostenlos. Die Firma übernimmt die Kosten.
- Für Büromitarbeitende und Führungskräfte, die nicht dem GAV unterstellt sind, muss gemäss AHV-Gesetz ein AHV-pflichtiger Betrag für das Mittagessen auf den Lohn aufgerechnet – dieser wird danach wieder abgezogen. Dadurch bleibt der Auszahlungsbetrag für die Mitarbeitenden gleich, ihr steuerbares Einkommen erhöht sich jedoch leicht. Das Mittagessen ist dadurch nicht mehr ganz gratis, bleibt aber ein attraktiver Zusatznutzen.
- Die Kosten für die Erweiterung der Infrastruktur wurden vollständig von der Firma übernommen.
So entwickelte sich aus einer Gewohnheit eine feste Mittagstradition, die nicht nur für gutes Essen sorgte, sondern auch das Wir-Gefühl förderte. Wie an einem Familientisch können sich Mitarbeitende dazusetzen, ein Gespräch führen und wieder aufbrechen. Zugleich wurde ein wertvoller Beitrag zur beruflichen Integration geleistet.
Integration im Tagesgeschäft
- Einmalige Kosten für Küchengeräte: Kaffeemaschine, Wasserkocher, Steamer, Kühlschrank, Kühltruhe, Industriegeschirrspüler
- Wiederkehrende Kosten pro Monat: ca. CHF 10’000 für gesamte Organisation des Mittagessens (Anstellung Köchin, Einkauf Lebensmittel etc.)
Von der Tradition zur Professionalisierung des Mittagessens
Die Mittagstradition hatte sich über Jahre im Unternehmen fest etabliert und wurde zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Täglich kommen am Hauptstandort bis zu 40 Mitarbeitende zum gemeinsamen Mittagessen zusammen. Um dies nachhaltig zu sichern und effizient in einzubinden, entschied sich die clevergie ag, das Mittagessen in mehreren Bereichen weiter zu professionalisieren.
Bereich 1: Wechsel zu einer ausgebildeten Köchin und Erweiterung der Aufgaben
Nach dem Ausscheiden der vorherigen Person wurde eine ausgebildete Köchin eingestellt (70 % Pen-sum), um das Mittagessen nachhaltig organisieren zu können. Ihre Rolle als Köchin geht über das reine Zubereiten von Speisen hinaus und umfasst auch Aspekte des Einkaufs- und Budgetmanage-ments, der Förderung der Nachhaltigkeit (Regionalität und Saisonalität) sowie der administrativen Organisation:
Menü & Zubereitung
- Menüplanung (inkl. saisonale & regionale Zutaten)
- Einkauf von Lebensmitteln
- Abwechslungsreiche Mahlzeiten zusammenstellen
- Speisepläne im Voraus erstellen
- Allergien und Unverträglichkeiten berücksichtigen
- Vegetarische und vegane Optionen einplanen
- Kochen und Anrichten
Lagerhaltung & Hygiene
- Vorräte kontrollieren
- Ablaufdaten prüfen
- Lebensmittel fachgerecht und hygienisch lagern
- Arbeitsflächen und Geräte reinigen
- Abfälle korrekt entsorgen
- Reste lagern für weiteren Gebrauch
- Hygieneregeln einhalten
- Organisation der Aufgabenverteilung beim Abräumen, Spülen, Putzen (Ämtli-Dienst)
Bereich 2: Koordination des Mittagessens und Kantinenpflege (Ämtli-Dienst)
Um die Mittagsverpflegung besser zu organisieren, hat die Köchin das Anmeldetool «Forms» eingeführt. Darüber geben die Mitarbeitenden wöchentlich an, an welchen Tagen sie am Mittagessen teilnehmen möchten und welches Menü sie bevorzugen, Fleisch oder vegetarisch (siehe Menüplan unten).

Die Köchin sammelt diese Informationen, koordiniert die Zubereitung der Mahlzeiten und sorgt so für einen reibungslosen Ablauf.
Zusätzlich wurde ein Ämtli-Dienst eingerichtet: Alle Mitarbeitenden (von Lernenden bis Geschäftsleitung) übernehmen turnusmässig das Decken des Tisches, Abräumen und die Reinigung der Kantine.
Damit das Mittagessen auch während der Ferien der Köchin gesichert ist, organisiert sie in Zusammenarbeit mit einem ortsansässigen Metzger, der einen Mittagsservice anbietet, die Verpflegung für diese Zeit.
Bereich 3: Anschaffung und Optimierung von Küchengeräten
Um die Essenszubereitung und den Ablauf in der Kantine effizienter zu gestalten, wurde die bestehende Infrastruktur gezielt erweitert:
- Steamer, Kühltruhe und grösserer Kühlschrank wurden angeschafft zur Lagerung von frischen Lebensmitteln und Vorräten, mit geschätzten Kosten von rund CHF 3’000 bis 4’000 (teilweise als Occasionen erworben).
- Neuer Industriegeschirrspüler wurde nachträglich eingebaut, da er die Abläufe erheblich beschleunigt. Die Kosten hierfür lagen bei unter CHF 3’000.
Bereich 4: Umgang mit mehreren Standorten
In der Zwischenzeit ist clevergie ag in fünf Standorte präsent. Eine besondere Herausforderung ist, den Mitarbeitenden an allen fünf Standorten dasselbe Angebot zur Verfügung zu stellen.
Da an anderen Standorten einerseits die Verpflegungsmöglichkeiten deutlich besser sind und andererseits weniger Mitarbeitende angestellt sind, erhalten Mitarbeitende an den kleineren Standorten finanzielle Unterstützung für ihre Verpflegung.
Um das Angebot nachhaltig zu gestalten, wird überlegt, Kühlschränke mit Verpflegungsangeboten zu nutzen, damit ein gemeinsames, ähnliches Mittagessen wie im Hauptstandort stattfinden kann.
Wir haben gelernt, dass es nicht optimal ist, zwei Personen fürs Kochen einzusetzen. Besser ist es, eine feste Person zu haben, die diese Aufgabe übernimmt.
Es braucht nicht immer die neuesten oder leistungsstärksten Geräte. Auch Occasion-Geräte und eine einfache, funktionale Küche können ein gutes Mittagessensangebot ermöglichen.
Argumente:
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1Ernährungsprogramme am Arbeitsplatz können die Gesundheit der Mitarbeitenden positiv beeinflussen.Rosmiati, R., Haryana, N. R., Firmansyah, H., & Fransiari, M. E. (2025). Workplace Nutrition Interventions: A Systematic Review of Their Effectiveness. Media Publikasi Promosi Kesehatan Indonesia (MPPKI), 8(3), 151-166. https://doi.org/10.56338/mppki.v8i3.6392
-
2In einer Studie zur Gestaltung der Lebensmittelauswahl am Arbeitsplatz erwiesen sich Veränderungen der Ernährungsumgebung (z. B. Menüanpassungen) als besonders kosteneffektiv und waren mit einem positiven Nettonutzen für Arbeitgeber verbunden, unter anderem durch geringere Absenzen.Fitzgerald, S., Murphy, A., Kirby, A., Geaney, F. & Perry, I. J. (2018). Cost-effectiveness of a complex workplace dietary intervention: an economic evaluation of the Food Choice at Work study. BMJ Open, 8(3), e019182. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2017-019182